AR in der verkehrsträgerübergreifenden Mobilität

Augmented Reality (AR) ist eine komplexe Technik für ein leichteres Leben. Denn überall, wo Menschen auf Zusatzinformationen über ihre Umgebung angewiesen sind, können AR-Apps auf Smartphones und Wearables (Datenbrillen, Smart-Watches) diese zur Verfügung stellen. Über eine Milliarde Smartphones sind bereits AR-fähig. In der verkehrsträgerübergreifenden Mobilität könnte AR ihr großes Potenzial entfalten.

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Im Rahmen unserer Projekte für die Großraum-Verkehr Hannover GmbH (GVH) beschäftigen wir uns seit langem mit Fahrplan-Apps im öffentlichen Personenverkehr. Auf der Grundlage der verfügbaren GVH-Fahrplaninformationen realisierten wir auch die AR-Anwendung „Abfahrt.AR“. Unser Zukunftsszenario geht noch einen Schritt weiter. Moderne Smartphones und Datenbrillen haben die notwendige Hardware-Konfiguration an Bord, um ihre Nutzer im Raum exakt zu verorten. Bewegungssensoren, ein GPS-Modul und ein Kompass können zudem exakt ermitteln, wohin der Nutzer gerade blickt. Über die Kamera des Smartphones erfasst er seine reale Umgebung, die dann mit ergänzenden Informationen auf dem Display angereichert wird. In unserer App Abfahrt.AR sieht der Anwender beispielsweise, wann und wo in seiner Blickrichtung der nächste Bus oder die U-Bahn abfährt: Name der Haltestelle, Abfahrtszeiten, Fahrtrichtung und Endstation. Und der Fußweg zur nächsten Station wird auch gleich angezeigt. Denkt man diese auf den Öffentlichen Verkehr optimierte App weiter und verknüpft die Reiseplanung, verschiedene Reisearten sowie Start und Endpunkt mit der Navigations-App, entsteht ein innovativer Reisebegleiter. Vor allem für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen bieten sich unschätzbare Vorteile bei der Orientierung und damit eine Erweiterung ihrer autonomen Mobilität.

Travel-Agent weist den Weg und weiß immer einen guten Rat

Schon seit Jahren forschen Hochschulen, Fraunhofer Institute, Fahrzeughersteller und Mobilitätsdienstleister an dem Super-Tool für intermodale, also verkehrsträgerübergreifende Fernreisen und Güterverkehre. Der Nationale IT-Gipfel legte 2015 die Ergebnisdokumentation einer Fokusgruppe vor. Bisher existieren jedoch lediglich viele einzelne Anwendungen, die jeweils nur einen Teilbereich der Mobilitäts- und Informationsbedürfnisse auf Reisen abbilden und unterstützen. Für die Buchung von Flug, Bahn, Mietwagen, Car-Sharing, Mieträder oder Taxi und Hotels nutzen wir bisher verschiedene Apps. Die intermodale Planung kann bisher jedenfalls niemand. Zu oft stehen Konkurrenz der Dienstanbieter, Datenschutz und schlicht fehlende Schnittstellen dem großen Wurf entgegen. Ausgereifte und effiziente Basistechnologien sind aber längst verfügbar.

So gelingt die intermodale und barrierefreie Reiseplanung

Für fast alle körperlichen Beeinträchtigungen stehen heute spezielle Eingabegeräte zur Verfügung, die Seh-, Geh- und Hörbeeinträchtigten die PC-Nutzung ermöglichen. Die intermodale Travel-App müsste also am PC beginnen. Der Nutzer definiert vorab sein Bewegungsprofil oder seine genaue Beeinträchtigung. Auf dieser Grundlage berechnet die Anwendung die optimale Route und die barrierefreien Verkehrsträger, bucht die Tickets und gibt den Diensten Informationen über eventuell notwendige Assistenzbedarfe der Nutzer. So könnten über die Anwendung beispielsweise bereits bei der Buchung Einstiegshilfen bei Bahn und Fluggesellschaften bestellt werden. Am Ende übergeben die Nutzer ihre Planung auf ihr Smartphone. Das Supertool, die Smartphone-App für alle Lebenslagen, übernimmt unterwegs dann alle Assistenz- und Informationsaufgaben: Ablage der Tickets auf dem Smartphone, Weckmeldung des Reisenden zum Startzeitpunkt, Navigation via Sprachausgabe und mittels AR eingeblendeter Zusatzinformationen auf dem Display.

Szenario für Menschen mit Gehbehinderung

Rollstuhlfahrer erleben den öffentlichen Raum völlig anders als Fußgänger. Was für diese eine Treppe ist, ist für jene ein unüberwindbares Hindernis. Bereits bei der Planung berücksichtigt die intermodale Reiseplanung die passenden, also barrierefreien, Verkehrsträger und ihre Infrastruktur. Die Nutzerführung muss nicht zwangsläufig über eine Sprachausgabe erfolgen. Da gehbeeinträchtigte Menschen jedoch auch meistens beide Hände für Gehhilfen benötigen, könnte hier die Führung auch über eine Datenbrille wie Google Glass erfolgen. Ihr Träger würde alle Navigationsanweisungen und Informationen so in sein Sichtfeld eingeblendet bekommen, dass er so wenig wie möglich abgelenkt wird. Für die Kommunikation mit der App ist jedoch eine Sprachsteuerung vorzusehen, die durch eine Gestensteuerung sowie eine Blickrichtungserkennung zu ergänzen ist. Über diese kann der Nutzer dann Zusatzinformationen abrufen wie beispielsweise über historische Gebäude, aktuelle Verkehrshinweise oder Verspätungen seines nächsten Verkehrsträgers.

Entspannt Reisen für alle!

Auch für Menschen ohne körperliche Gebrechen sind die eben beschriebenen Funktionen ein Gewinn auf Reisen. Denn wer kennt es nicht: Die Bahn ist zu spät und man muss Anschlussverbindungen oder die nächsten Verkehrsträger (Bus, Flugzeug) planen. Diese App würde selbstverständlich alle aktuellen Verspätungen ständig verarbeiten, die Planungen aktualisieren und den Nutzer darüber auf dem Laufenden halten. Denkbar wäre auch, dass die App automatisch Umbuchungen vornimmt sowie dem Gesprächspartner Verspätungen via SMS mitteilt. Im Grunde reicht es, Datum und Ziel anzugeben und die App berechnet dann unter Berücksichtigung des Profils Szenarien: Wann ist es zeitlich günstiger mit der Bahn, wann mit dem Flugzeug. Wann sollte ein Mietwagen oder Taxieinsatz erfolgen. Selbstverständlich würde die App auch den bevorzugten Car-Sharing-Anbieter berücksichtigen. Der Nutzer macht die Feinjustierung, legt seine bevorzugten Parameter fest. Buchungen erledigt die App. Tickets und Buchungsbestätigungen speichert sie zuverlässig ab. Aktuelle Reiseinformationen holt sie bei den Diensten ab. Und dann auf der Reise blendet sie touristische Highlights entlang der Route ein. Wie entspannt wird künftig das Reisen für alle!

Fazit

Für alle beschriebenen Funktionen stehen die Basistechnologien bereits zur Verfügung. Die größte Herausforderung liegt in der Vernetzung bestehender Datenpools, Informationsdienste und Buchungssysteme einzelner Dienstleister.

Links:
Abfahrt.AR ist die maximal einfache Haltestellen-Info für Niedersachsen und Bremen. (Link zu den Referenzen)
Augmented Reality (Leistungen)