Wie übersetzt man Interfaces in Sprachen mit anderen Schriftzeichen und Laufrichtungen?

UI-Entwickler Yannick gibt uns einen Einblick in die Herausforderungen bei der Lokalisierung einer international genutzten App.

Was bedeutet „Lokalisierung“?

Die Übersetzung einer App wird in der Software-Entwicklung als Lokalisierung bezeichnet, um darauf hinzuweisen, dass dabei mehr gemacht wird, als nur Text und Wörter in eine andere Sprache zu übersetzen. Währungen und Maßeinheiten sind weitere Beispiele für mögliche Unterschiede zwischen zwei Lokalisierungen.

Du bist UI-Entwickler bei den PROJEKTIONISTEN®, was können aus deiner Erfahrung Hürden bei einer Lokalisierung sein?

Da gibt es einige Besonderheiten, auf die sowohl im Design als auch in der Entwicklung geachtet werden muss. Manche Sprachen sind zum Beispiel deutlich kompakter oder haben besonders lange Wörter. Dies muss vom Design und der Umsetzung unterstützt werden. Außerdem kann es vorkommen, dass die verwendete Schrift unter Umständen nicht alle notwendigen Zeichen für jede Sprache beinhaltet. Es macht also durchaus Sinn, sich am Anfang eines Projekts zu überlegen, ob eine Lokalisierung notwendig werden könnte.  

Was passiert, wenn eine Sprache eine „andere“ Laufrichtung hat, also von rechts nach links gelesen wird?

Wenn die Laufrichtung einer Sprache von rechts nach links, also „andersrum“ als bei uns verläuft, dann beschränkt sich das nicht nur auf den reinen Fließtext. Der gesamte Screen wird dann von rechts nach links erfasst. Das bedeutet, wir müssen bei einer Lokalisierung mit anderer Laufrichtung das ganze User Interface spiegeln, um für die Nutzenden ein gutes Erlebnis zu schaffen. Ein Weiter-Button wäre dann beispielsweise nicht auf der rechten, sondern auf der linken Seite.

Wie seid ihr mit dieser besonderen Herausforderung umgegangen?

Ist eine Lokalisierung mit anderer Laufrichtung geplant, sollte das möglichst von Anfang an bei der UI-Entwicklung bedacht werden. So sollte zum Beispiel bei Labels nicht nur der Abstand zum linken Rand beachtet werden, sondern zu beiden Seiten. Dabei kann es hilfreich sein, die App auf zwei Handys mit unterschiedlicher Sprache gleichzeitig zu testen.

Ihr habt auch schon Lokalisierungen für Sprachen mit einem nicht-lateinischen Alphabet vorgenommen, welche Hindernisse gab es da zu meistern?

Die größte Herausforderung war es, zu beurteilen, ob alles richtig ist, ohne zu wissen, welchen Regeln die Schrift folgt. Da gibt es viele Fragen, die auftauchen: Wo hört ein Wort auf, wo beginnt das nächste? Wo gehören Zeilenumbrüche hin? Beispielsweise werden im Arabischen meistens alle Buchstaben eines Wortes miteinander verbunden, es gibt aber auch Ausnahmen. Genauso schwierig: Wo gehören Satzzeichen hin? Und wird die richtige Form der Buchstaben verwendet? Im Koreanischen werden Buchstaben zum Beispiel zu Blöcken zusammengefasst. Auch Darstellungsfehler sind schwerer aufzuspüren, wenn man nicht weiß, wie die Schrift korrekt aussehen sollte. Man kann zwar versuchen, mit Übersetzungs-Programmen die UI auf Korrektheit zu überprüfen, indem man Buchstabe für Buchstabe mit den Augen vergleicht, doch letztlich braucht es immer eine Person, die die Sprache beherrscht, um Fehlerfreiheit zu garantieren – zum Glück haben wir im Team unter anderem einen Arabisch-Sprecher!

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